In seinen Untersuchungen über die paläolithische Kunst wies André Leroi-Gourhan, der 1969 am Collège de France Professor wurde, Lascaux eine bedeutsame Rolle zu. Er betrachtete Lascaux als „komplexestes der Heiligtümer“. Die Beobachtung der Tierverbindungen und die Verteilung der Arten in der Höhle führten ihn dazu, eine Theorie zu entwickeln, die die Existenz einer realen Organisation des graphischen Raumes in den paläolithischen Heiligtümern bestätigt. Dieses Modell basiert auf einer Dualität männlich/weiblich – die sich insbesondere in den Paaren Bison/Pferd und Auerochse/Pferd verkörpert – zugleich lesbar in den Zeichen und den Tierdarstellungen. Er entwarf im Übrigen eine durchgehende Entwicklung von vier Stilen vom Aurignacien bis zum Endmagdalénien. André Leroi-Gourhan publizierte keine detaillierte Analyse der Figuren der Höhle Lascaux. In seiner 1965 erschienen Publikation Préhstoire de l’art occidental (1971 in deutscher Sprache erschienen unter dem Titel Prähistorische Kunst) schlug er jedoch die Analyse einiger Zeichen und Zeichnungen vor und erläuterte sein erklärendes Model zum Verständnis anderer Bilderhöhlen.

(Auszug aus Monumental, 2006, p. 61) GAUTHIER (Marc). – La grotte de Lascaux, patrimoine de l’humanité, Monumental, n° 2, 2006, p. 58-61.

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